316
Der deutſche Kaiſer.
Freiheit aufgeflammt; und deshalb waren die mauriſchen Rebellen leicht bezwungen und das Volk nur in ein noch härteres Joch gelegt worden.
„Weh mir! Ich habe vergebens gelebt!“ ſeufzte die Unglückliche tief und verzweifelt.„Aber gerächt hab' ich meine Schmach!“
Sie küßte die heilige Erde des Grabes und ging über die waldige Anhöhe der Meerbucht zu. Der Vollmond ſtieg blutroth aus den Wellen empor und warf ein zwei⸗ felhaftes Licht auf ihren einſamen Pfad. Zuweilen hielt ſie an, um auszuruhen; es ſchien ihr an Kraft zu ge⸗ brechen. Vom Licht des allmälig fahl gewordnen Monds überglänzt, wurden ihre todtbleichen Züge geiſterhaft. Endlich langte ſie auf der Höhe der die Bucht umgür⸗ tenden Felſen an. Sie ſuchte und fand den ſteilen Pfad hinab, aber ihre Knie wankten. Jetzt blitzte das ſtille
Waſſer der Bucht zu ihren Füßen. Sie warf ſich auf die Knie und rief Allah, den Gott ihrer Väter, mit lauter
Stimme an, ſie in ſeinen Schoos aufzunehmen. Noch ſchwebte das letzte Wort auf ihren Lippen, als ſie ſich von dem Felſenvorſprung in die Tiefe hinabſtürzte. Die Wellen ſchlugen über ihr zuſammen. In demſelben Augen⸗ blick ſchoß ein bemanntes Boot hinter dem Felſen hervor, auf die Stelle zu, wo ſie verſunken war.
———
Druck von F. A. Brockhaus in Lripzig.


