306 Der deutſche Kaiſer.
Trauerkleidern und in Waffen auf hohem Roſſe, eine ſchöne zürnende Amazone, und mit ſich führte ſie ihren Sohn auf einem Maulthiere und ließ vor ihm eine große Standarte tragen, auf welche die Todesart ſeines Vaters gemalt war. Ueberall redete ſie das ihr zujubelnde Volk an und rief es zur Rache auf. Dadurch ſtachelte ſie die Leidenſchaften fort und fort auf und erhielt die Gemüther in ſteter Bewegung. Einen Hauptgrund ihres fanatiſchen Eifers gegen König Karl gab die Erhebung des jungen Niederländers Wilhelms von Croy zum Erzbiſchof von Toledo ab, und die von ihr beraubte und dadurch im Stillen auf ſie erbitterte Kleriſei ſtimmte ihr in dieſem Punkte vollkommen bei. Das entflammte Volk war gleich⸗ ſam blind gegen alle Gefahren, die ihm droheten; es hoffte ſogar die königlichen Truppen, ſobald ſie heran⸗ rücken würden, zu ſchlagen und ganz Caſtilien wieder zum Aufſtand zu bringen.
Keine Verſprechungen der Regenten vermochten es zum Abfall von Donna Maria zu bringen, und alle Vorſtel⸗ lungen und blendenden Zuſagen ihres Bruders, des Marquis von Modeiar, konnten die Heldin nicht bewegen, ihr ge⸗ fährliches Spiel aufzugeben.
Als nun endlich die Franzoſen vom königlichen Heere aus Navarra vertrieben waren, kam eine ſtarke Abtheilung dieſes Heers nach Caſtilien und belagerte Toledo. Aber Maria und ihr Heer bewährten ihren Muth durch die That. In ſchnell aufeinander folgenden Ausfällen und


