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Der deutſche Kaiſer. 305
Gemahl gehegt, trug es auf ſie über, und das Mitleid mit ihrem Unglück ſteigerte das Gefühl für ſie zum Fa⸗ natismus. Aber Maria rechtfertigte auch das Vertrauen des Volks glänzend. Mit Klugheit wußte ſie einen großen Theil der Zigeuner, die dem Feinde gedient hatten, für ihre Sache zu gewinnen, und ſie flogen als ihre Boten von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, und trugen ihre Briefe, um das Volk überall zu neuem Widerſtand, zu wiederholter kräftiger Erhebung anzufeuern. Uebexall verſuchte ſie die grſunkene Hoffnung wieder zu beleben und den Geiſt des Volks zu heben und zu ſtärken. Mit den Anführern des franzöſiſchen Heers in Navarra ſtand ſie durch die ſchlauen und gewandten Zigeuner in ununter⸗ brochener Verbindung, und die Truppen der Regenten waren mit den Franzoſen ſtets ſo ſehr beſchäftigt, daß ſie auch nicht die kleinſte Macht auf Toledo verwenden konn⸗ ten. Dadurch gewann Maria Zeit, ſich immer mehr zu verſtärken. Den reichen Kirchen und Klöſtern preßte ſie im Einverſtändniß mit dem Volke die Schätze ab, und mit dieſen warb ſie ein Heer, das von Tag zu Tag an materieller und moraliſcher Stärke zunahm. Statt der Fahnen gab ſie dieſem Heere große Crucifixe, gleichſam als ob es einen Kreuzzug gegen die Ungläubigen gälte Und wirklich erfüllte ſie das Heer durch ihre begeiſterten Reden mit einem ſo fanatiſchen Haß, daß Alle meinten, es wäre Gottes Sache, für die ſie zu fechten ſich anſchick⸗ ten. Faſt täglich durchzog ſie die Straßen der Stadt in Ein deutſcher Leinweber. VI. 20


