Der deutſche Kaiſer.
geſendet wird, um die in ſterblichen Herzen erlöſchende Flamme der Tugend wieder anzufachen und das ahnungs⸗ volle Gefühl eines höhern Glücks, als unſer Stern zu bieten vermag, mit ſüßer Beſeligung in ihnen erweckt, ſo mußte Maria von Ielſtein ein ſolcher Licht- und Freu⸗ denbote ſein. Konnte nun ein Mann leben, der der gei⸗ ſtigen Einwirkung eines ſolchen Weſens ſich entziehen durfte? Und doch verſetzte dieſer Greis, der vielleicht in wenigen Tagen ſchon die dunkle Brücke überſchritt, deren jenſeitiger Stützpunkt keinem Erdenſohne bekannt iſt, mit ruhiger Würde:„Der Regent von Caſtilien könnte Euch jede Gnade, die Ihr wünſchtet, angedeihen laſſen, aber Ihr wendet Euch an den Großinquiſitor, der Euch nur auf die göttliche Gnade verweiſen kann und darf.“ „Wenn Euch Gott das Recht der Strafe gegeben hat,
o ſo muß er Euch auch das Recht der Gnade zuertheilt
haben!“ verſetzte Maria;„denn mit dem Schwerte legt er ſtets den Palmzweig in die Hand des Menſchen. Ihr dürft nur wollen, und der dürre Stab des Richters ver⸗ wandelt ſich in das grüne Reis des Gnadenſpenders.“ „In allen weltlichen Dingen, mein Kind, darf ich einen eignen Willen haben, in den göttlichen gilt allein das göttliche Geſetz. Hier hat ſich Gott ſelbſt die Gnade vorbehalten. Wie wollte ich armer menſchlicher Wurm mich unterfangen, Gott vorzugreifen! Ich muß meine Pflicht als oberſter Glaubensrichter thun, und darf kein haarbreit davon abweichen. Dafür bin ich Gott verant⸗


