Der deutſche Kaiſer. 5
tergerichten der Inquiſitiun zur Ablieferung der zu beſtra⸗ fenden Ketzer zu treffen, als er vom Dechanten Abrian Florens um eine Audienz für die junge niederländiſche Gräfin Maria von Ißelſtein erſucht wurde. Dabei wurde ausdrücklich erwähnt, daß der Vater derſelben ein vor⸗ züglich ausgezeichneter Kriegshauptmann des Königs und von dieſem ſehr geſchätzt ſei. imenes verwilligte mit ei⸗ nem ſtolzen Lächeln das Geſuch, und nach kurzer Zeit trat die unglückliche junge Dame, geführt vom Mitregenten Adrian und umgeben von Vivian de la Chaur und von einem andern Niederländer, ebenfalls Mitglied der eaſtili⸗ ſchen Regierung, Namens von Ammersdorff, welcher ſpä⸗ ter als de la Chaur in Madrid mit ſeiner vom Könige vollzogenen Beſtallung angelangt war, in das Gemach des Cardinals.
Maria warf ſich dem hohen Greiſe zu Füßen und rief mit weinender Stimme:„Gnade für den Ritter von Sü⸗ derland!“ Hingeſchmolzen lag ihre zarte liebliche Geſtalt und aufgelöſt in unausſprechlichen Schmerz vor dem ſtren⸗ gen Kirchenfürſten. Welches Herz vermochte wohl der rührenden Klage, der heißen Bitte dieſes holden Kindes zu widerſtehen? Wenn der fromme Glaube an höhere geiſtige Weſen, die in urewiger Schönheit und Unſchuld als Boten Gottes ein reines Daſein friſten, einer erha⸗ benen Wirklichkeit entſpricht, und einer dieſer Engel des Herrn zuweilen, von der allmächtigen Schöpferkraft mit den Pertinentien der Menſchheit bekleidet, auf die Erde


