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Das Maiblümchen / Harriet Stowe, geb. Beecher
Entstehung
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120 Das Maiblümchen.

Aufwärterin! ruft eine Dame, die ſich zwiſchen einem Haufen Reiſetaſchen und Kindern abmüht.

Madame! antwortet die arme Magd, die ebenfalls, wie die bedrängte Dame, an einem andern Orte des Raumes verbarrikadirt iſt.

Wo iſt mein Mantel?

Ich werde ihn ſuchen, ſobald ich loskomme.

Aufwärterin, ich finde meinen Korb nicht! Aufwärterin, wo iſt meine Reiſetaſche?

Ach, Madame, ich kann ja nicht durchkommen.

Mamma, man drängt mich von allen Seiten! ruft ängſtlich ein Kind.

Still, mein Kind! Krieche dort in die Ecke und verhalte Dich ſo lange ruhig, bis ich Dich auskleiden kann.

Endlich t die kleinen Leiden der Reiſenden ihr Ende erreicht die Kinder ſchlafen, und ſelbſt die Dulderin, die aufwartende Magd, ſucht ſich einen Winkel, um zu ruhen. Da erhält plötzlich das Kanalbvot einen heftigen Stoß es iſt an eine Schleuſe gerathen. Die Seile krei⸗ ſchen, Männer laufen oben rufend durcheinander, und die Köpfe der Bett⸗ bewohnerinnen ſtrecken ſich lang empor. Dieſes letzte Manöver führen indeß nur die erfahrenen Reiſenden aus.

Was giebt's? Was giebt's? tönt es von Mund zu Munde, und jedes weckt Verwandte und Freunde auf. Mutter, Tante, Anna, Mary, wacht auf! Was bedeutet dieſes dumpfe Geräuſch?

Bitte verhalten Sie ſich ruhig, es iſt nichts als eine Schleuſe, antwortet eine der Schläferinnen aus der unterſten Reihe.

Eine Schleuſe? rufen einige neugierige Perſonen. Was iſt das, eine Schleuſe? Ich bitte, erklären Sie doch

Die Leute wiſſen nicht einmal, was eine Schleuſe iſt! Seid ruhig, und laßt uns ſchlafen.

Nicht wahr, eine Schleuſe hat doch für uns keine Gefahr? fragen die Aengſtlichen weiter.

Gefahr! ruft eine alte Frau, indem ſie ſich erſchreckt aufrichtet. Was giebt es denn? Es iſt doch nichts zerſchellt oder zerſprungen?

Nein, nein, nein! ruft die ärgerlich gewordene Oppoſiklons⸗Par⸗ thei, die begreift, daß ſie nicht eher den dringenden Anforderungen des Schlafes genügen kann, bis die jungen Frauen oben, und die alte Frau unten über die Natur der Schleuſe aufgeklärt ſind. Nach einigen Minuten ſchweigt die Unterhaltung wieder, Alles wird noch einmal ruhig, und man hört nur das Stampfen der Pferde und das Aufſchlagen des Taus auf dus Waſſer. Der Schlaf bemächtigt ſich aller Reiſenden. Man ruht und träumt. Da ertönt plötzlich der laute Ruf:

Aufwärterin, wecken Sie die Dame, die hier ausſteigen muß!

Raſch ſpringen die Aufwärterin und die Dame mit ihren beiden Kindern aus den Betten. Wo iſt mein Hut? fragt die ſchlaftrunkene Mutter, indem ſie unter den aufgehäuften Sachen nach dieſem Toiletten⸗ gegenſtande ſuchend umhertappt. Mir iſt, als ob ich ihn über der Thür aufgehangen habe.

Können Sie Ihren Hut nicht finden? fragt die arme Aufwärterin, indem ſie ſich gähnend die Augen reibt.

Hier iſt er, antwortet die Dame. Aber nun werden Umſchlag⸗ tuch, Mantel, Handſchuhe und Schuhe zu Gegenſtänden der Unterhaäl⸗