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Das Maiblümchen / Harriet Stowe, geb. Beecher
Entstehung
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Scenen und Charakterzügr.

Die Liebe und das Recht.

Wie viel Gattungen von Schönheit giebt es doch: Wie viel ſchon in der menſchlichen Geſtalt! Hier die Blüthe und raſche Beweglichkeit des Kindesalters die friſche und reife Vollkommenheit der Jugend; dort die Würde der Mannheit, und die Milde des Weibes ader alle unter einander verſchieden, und dennoch jede vollkommen in ihrer Art.

Aber keine iſt ſo eigenthümlich, keine trägt mehr das Ebenbild des Himmliſchen, als die Schonheit des chriſtlichen Grerſenalters. Sie gleicht der Lieblichkeit jener ruhigen Herbſttage, wenn die Hitze des Som⸗ mers vorüber, wenn die Ernte in die Scheuer gebracht iſt und die Sonne auf ruhende Felder und bräunliche Waldungen herabſcheint, die ihrer letzten Veränderung harren. Es iſt dies eine Schönheit, die ſtrenger moraliſch und in höherem Grade der Seele eigenthümlich iſt, als die irgend einer

andern Periode des Lebens. Die Poeſie malt den Greis ſtets als einen

Chriſten und es giebt auch kein Alter, in welcher die Tugenden des Chriſtenthuns eine vollſtändigere und harmoniſchere Entwickelung zu finden ſchienen. Der Greis, der die Stürme der Leidenſchaften überlebt, der dem Drängen der Verſuchung widerſtanden, der ſich fromm die Triebe der Jugend zu unverbrüchlichem Gehorſam und unwandelbarer Liebe unterge⸗

ordnet hat, der endlich, nachdem er ſeine Familie nach dem Willen Gottes erzogen, ſich hilflos auf den ſtützt, dem er einſt diente ein ſolcher Greis

iſt vielleicht eine der makelloſeſten Verkörperungen der Schönheit chriſtlicher Tugend, welche dieſe Welt uns zeigt.

Von dieſer Art waren die Gedanken, welche in mir aufſtiegen, als ich langſamen Schrittes den Kirchhof meines Heimathsdorfes verließ, den ich n mehrjähriger Abweſenheit beſucht hatte. Es war ein reizender Platz ein ſanfter Abhang dicht an einem kleinen Fluſſe, welcher ſich

blinkend zwiſchen Cedern und Wachholderbäumen fortwand, während auf

der andern Seite ſich ein grüner Hügel erhob, den die weißen Häuſer des Dorfes wie ein Perlenband umwanden.

Keine Einzelnheit einer Landſchaft, und ſei ſie noch ſo pittoresk, kann maleriſcher und eigenthümlicher ſein, als dieſer Friedhof dieſeStadt des Schweigens, wie die Orientalen ſo ſchön ſagen der mitten in der

lüthe und dem Jubel der Natur ruht, deſſen weiße Steine in der Sonne Maiblümchen. 1