hochfinnigen Frau erfüllte.
VII
Von dem Abhange des Berges, auf dem ihre Wohnung ſtand, konnte Mrs. Stowe das Geſchrei der Unglücklichen, das Wuthgeheuk des Pöbels und den Donner der Musketen und Kanonen vernehmen und die Flammen der bren⸗ nenden Häuſer ſehen. Mehr als einem der zitternden Flüchtlinge gab ſie ein Aſyl und weinte mit ihnen bittere Thränen. Nachdem die Wuth des Haufens ausgetobt hatte, ſammelten viele von den Farbigen die wenigen Habſeligkeiten, die ihnen geblieben waren, und machten ſich auf nach Kanada. Hunderte von kamen an Mrs. Stowe's Wohnung vorbei. Einige waren auf kleine
agen gepackt, Andere gingen zu Fuß, ihre Kinder an der Hand führend; ja,
man ſah Mütter, die, ihre Säuglinge an der Bruſt, mühſam einherſchritten und
ihre todten oder von den Sklavenhäſchern fortgeſchleppten Gatten beweinten.
Die Straße, welche durch Walnut⸗Hills, einige Fuß von Mrs. Stowe's
Hausthür, führte, war eine der Hauptrouten der„unterirdiſchen Eiſenbahn“, deren in„Unele Tom's Cabin“ ſo oft gedacht wird. Man hatte dieſen Namen einer von Quäkern und anderen Abolitioniſten gebildeten Linie gegeben, die, in Zwiſchenräumen von 10, 15 oder 20 Meilen zwiſchen dem Ohiofluſſe und den nördlichen Seen vertheilt, eine Art von Aſſociation zur Forthelfung flüch⸗ tiger Sklaven errichtet hatten. Der Flüchtling ward des Nachts zu Pferde
oder in verdeckten Wagen von Station zu Station gebracht, bis er auf freiem
Boden ſtand und das Löwenbanner des brittiſchen Reichs über ſeinem Haupte flatterte. Die erſte Station nördlich von Cincinnati war einige Meilen ober⸗ halb Mill⸗Creek, im Hauſe des edlen und hochherzigen John Vanzandt, der im neunten Kapitel von„Uncle Tom's Cabin“ als John Van Tromp ſigurirt. Mrs. Stowe wurde oft durch das Geraſſel der Wagen und das Pferdege⸗ trampel der ſie verfolgenden Konſtabler und Sklavenhäſcher aus dem Schlafe
eweckt. Der ehrliche John war ſtets bereit, mit ſeinem Geſpann hervorzu⸗
ommen, und es gelang den Menſchenjägern nur ſelten, ihn zu erreichen. Er ſchlummert jetzt in dem dunklen Grabe eines Märtyrers. Der gigantiſche Körper, von welchem die Verfafſerin ſpricht, wurde endlich durch Mangel an Schlaf, Entbehrungen und Sorgen aufgerieben, und ſein Muth ward durch die Verfolgungen, denen er ausgeſetzt war, gebrochen. Mehrere Sklavenbeſitzer, die durch ſeine Dazwiſchenkunft ihr Eigenthum verloren hatten, brachten ge⸗ richtliche Klagen gegen ihn vor, und eine Verurtheilung nach der anderen be⸗ raubte ihm ſeiner Farm und ſeines ganzen Vermögens.
Während ihres langen Aufenthaltes an der Grenze der Sklavenſtaaten hatte Mrs. Stowe zu wiederholten Malen Gelegenheit, ihnen Beſuche abzu⸗ ſtatten. Ohne Zweifel machte ſie damals die Beobachtungen, die ſie ſpäter in den Stand ſetzten, edle, großmüthige und menſchliche Sklavenhalter in der Perſon des Fabrikanten Wilſon, Mrs. Shelby's und ihres Sohnes George, St. Clare's und ſeiner Tochter Eva, des wohlwollenden Käufers bei der Auktion in Neu⸗Orleans, der Herrin Suſan's und Emmeline's und des gutmüthigen Symmes, der Eliſa und ihrem Knaben den Uferdamm des Ohio erſteigen half, zu ſchildern. Mrs. Stowe hat die Sklaverei in allen ihren Phaſen beobachtet; ſie hat Herren und Sklaven in ihrer Häuslichkeit, die Märkte von Neu⸗Orleans, Flüchtlinge, freie Farbige, der Sklaverei holde Politiker und Prieſter, Abolitio⸗ niſten und Coloniſationiſten geſehen. Sie und ihre Familie haben unter den Folgen dieſes Syſtems gelitten; ſiebzehn Jahre ihres Lebens ſind dadurch ge⸗ trübt worden. Während dieſer ganzen Zeit kämpfte ſie die ſtärkſten Gefühle ihres Herzens nieder, und nur ihre vertrauteſten Freunde wußten, was ſie empfand. Jetzt endlich hat ſie ihnen freien Lauf gegeben:„Uncle Tom's Cabin“ iſt der Ausbruch jener Verzweiflung, welche Jahre lang die innerſte Seele einer


