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antworteten dadurch, daß ſie in Maſſe austraten; wo früher Hunderte geweſen, blieb kaum eine Handvoll zurück. Das Lane⸗Seminarium verödete. Volle ſieb⸗ zehn Jahre harrten Beecher und Stowe aus, ſich umſonſt bemühend, die ehe⸗ malige Blüthe der Anſtalt zurückzuführen. Im Jahre 1850 zogen ſie ſich endlich nach den oſtlichen Staaten zurück, mit dem bitteren Gefühl, in der großen Auf⸗ gabe iipe Lebens geſcheitert zu ſein. Nach einem kurzen Aufenthalt in Maine nahm Profeſſor Stowe den ihm angebotenen Lehrſtuhl der bibliſchen Literatur im thevlogiſchen Seminar zu Andover in Maſſachuſetts an— einem Inſtitut, welches in den Vereinigten Staaten eines hohen Anſehens genießt.
Dieſe Ereigniſſe brachten im Herzen der Familie Beecher eine ſchmerzhafte Reaction hervor. Zurückgeſtoßen ebenſowohl durch den Fanatismus der Wi⸗ derſacher, als durch die Brutalität der Anhänger der Sklaverei, glaubten ſie ihre Zeit noch nicht gekommen und gaben ihrem Abſcheu gegen die Knechtung ihrer Nebenmenſchen keinen öffentlichen Ausdruck. Sie hofften, daß der Sturm ſich legen und die Wahrheit in ruhigeren Zeiten an's Licht kommen werde. Alle Verſuche, ſie für die Vertheidigung der Sklaverei zu gewinnen oder ſie zum Anſchluß an die Abolitionspartei zu bewegen, wurden von ihnen abgelehnt. Auf dieſe Periode ſpielte Mrs. Stowe an, als ſie im Schlußkapitel ihres Buches ſagte:„während mehrerer Jahre ihres Lebens habe die Verfaſſerin alle auf die Sklaverei bezügliche Lektüre, alle Erwähnung dieſes Gegenſtandes vermieden, da ſie ihn für zu ſchmerzhaft hielt, um unterſucht zu werden, und von den Fortſchritten der Aufklärung und der Civiliſation deſſen Beſeitigung erwartete.“ Die furchtbaren Scenen, welche zwiſchen 1835 und 1847 in Cincinnati vor⸗ fielen, mußten die Abneigung einer Frau, eine thätige Rolle in dieſem Kampfe zu ſpielen, vermehren. Jene Stadt war das vornehmſte Schlachtfeld der Freiheit und der Sklaverei. Kein Monat verging, ohne daß ſich etwas zutrug, was die Erinnerung an den Kampf auffriſchte: es wurde entweder eine Preſſe zerſtört, oder ein Haus geplündert, oder ein freier Neger entführt, oder der Fluchtverſuch eines Sklaven vereitelt, oder ein bewaffneter Angriff auf den von Regern bewohnten Stadttheil gemacht, oder eine Negerſchule ſpolürt, oder es tödtete ein Schwarzer ſein Weib und ſeine Kinder im Gefängniß, um ſie nicht als Sklaven verkauft zu ſehen. Die 1835 von James G. Birney, dem nachherigen Kandidaten für die Präſidentenwürde der Vereinigten Staaten, er⸗ richtete Abolitioniſtenpreſſe, welche ſpäter unter der Leitung des Dr. Bailey ſtand— des jetzigen Herausgebers der National Era in Waſhington, in der „Uncle Tom's Cabin“ zuerſt in wehenlichen Lieferungen erſchien— wurde fünfmal zerſtört. Die Behörden dachten ſo wenig daran, dieſen Unordnungen zu ſteuern, daß der Mayor von Cincinnati einſt die Ruheſtörer, die ſo eben die Häuſer einiger Farbigen niedergeriſſen hatten, um Mitternacht mit folgenden Worten entließ:„Nun, meine Jungen, laßt uns nach Hauſe gehen, wir haben für heute genug gethan.“ Eine von dieſen Emeuten iſt dadurch bemerkens⸗ werth, daß ihre Opfer das thätige Mitgefühl Mrs. Stowe's für ſich in An⸗ ſpruch nahmen. Im Jahre 1840 griffen die Sklavenhäſcher, von der Hefe des Volks unterſtützt und durch gewiſſe Staatsmänner und Kaufherren aufgemun⸗ tert, den Bezirk an, der hauptſächlich von Schwarzen bewohnt wird. Einige der Häuſer wurden durch Kanonen niedergeſchoſſen. Mehrere Tage hindurch war die Stadt der Gewalt und dem Blutvergießen preisgegeben. Die Neger⸗ häuſer wurden erſtürmt und geplündert, die Eigenthümer ermordet und ihre verſtümmelten Körper auf die Straße geworfen; Frauen wurden genothzüchtigt und ſtarben nachher an den erlittenen Verletzungen, und Männer, Weiber und Kinder wurden in der Verwirrung aufgegriffen und in die Sklaverei geſchleppt.


