Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Karl von Spanien : Roman in drei Theilen : Der König von Spanien : 2. Theil (1848)
Entstehung
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Der König von Spanien.

mein' ich, kein Mann ſoll eine Arbeit übernehmen, die ſeine Kräfte überſteigt. Und vor Allem nicht zu viel auf einmal. Gegen Papſt und Pfaffen, gegen Fürſten und Adel zugleich kämpfen, iſt eine Rieſenarbeit, der kein Menſch gewachſen iſt. Mit Muth und gutem Willen kommt man allein nicht aus, und wer zu viel unter⸗ nimmt, erreicht nichts. Gegen die heuchleriſche, verfüh⸗ reriſche, brutale Pfaffheit müſſen unſere Pfeile zuerſt ge⸗ richtet ſein; wir müſſen dem deutſchen Volke zuerſt ein Licht aufſtecken über die wahren Zwecke dieſes betrügeri⸗ ſchen Papſtes und ſeiner Bande in Rom. Gelingt es mit Gottes Hülfe, Deutſchland aus den Netzen der großen römiſchen Spinne, die ihm ſtets das Herzblut ausſaugt, zu befreien, dann haben wir gewonnen. Der deutſche Kaiſer, das Oberhaupt des Reichs, ſei zugleich auch das Oberhaupt der deutſchen Kirche. Aufgeklärte Prieſter ſeien Lehrer des Volks und Verkünder des wahren Evangeliums von Jeſus Chriſtus. Iſt das Volk ſich klar, was es ſoll und darf, was es will und kann, dann wird es dem Kaiſer nicht ſchwer werden, die emporſtrebenden Fürſten niederzuhal⸗ ten und den blutſaugeriſchen Adel aufs Haupt zu ſchlagen.

Ulrich Fugger ſchüttelte bitter lächelnd das Haupt. Ich bin anderer Meinung; denn ich kenne das Volk, den Adel, die Fürſten, den Kaiſer. Ihr habt zu viel unter Gelehrten gelebt. Wenn das Volk ſich nicht ſelbſt hilft, wird ihm nicht geholfen. Der Kaiſer iſt ſein Lebenlang ein ſchwacher Herr geweſen, und nun wird er alt. Wäre