Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Karl von Spanien : Roman in drei Theilen : Der König von Spanien : 2. Theil (1848)
Entstehung
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und Trefflichen, im Angeſicht dieſer blühenden Jungfrauen, in unſrer lieben Stadt Augsburg! Die hohe Muſe der Dichtkunſt hat dich zu ihrem Liebling gewählt und dir das Auge aufgeküßt, damit du ihre heiligen Wunder ſchaueſt, wie Dante und Petrarka. Du biſt ihrem Rufe gefolgt und haſt dich zugleich dem Dienſte der Wahrheit gewid⸗ met; du haſt mit dem blanken, wohlgeſchliffenen, hellklin⸗ genden Schwerte deines Wortes den Kampf gegen Lüge und Heuchelei begonnen und ſiegreich geführt. Es ver⸗ langt deinen Kaiſer, dir dafür den ſchönſten Lohn zu rei⸗ chen, den er vermag. Du weißt, auch mir hat die Muſe eine ihrer Roſen in die Wiege gelegt, genug, um deinen ganzen Werth zu erkennen. Tritt heran, Ulrich, daß ich dir das Zeichen dieſer meiner Anerkennung überreiche! Konſtantia, edle Tochter des edlen Peutinger, winde mit deiner ſchönen, reinen Hand unſerm gefeierten Dichter den wohlverdienten Lorbeerkranz! Wer wäre würdiger als du zu dieſem heiligen Geſchäft? Und wer wäre würdiger die von dir gewundene grüne Dichterkrone zu tragen, als Ul⸗ rich von Hutten?

Erröthend, wie die ſchönſte Roſe, trat Augsburgs reizendſte Jungfrau an einen Lorbeerbaum, brach einen ſchlanken Zweig ab, wand ihn zum Kranze, nahm eine rothe Bandſchleife aus ihrem Haar, band den Kranz da⸗ mit und reichte dieſen dann dem Kaiſer dar.

Edles Dichterhaupt, empfange die Dichterkrone aus deines Kaiſers Hand!

Der König von Spanien.