Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Karl von Spanien : Roman in drei Theilen : Der König von Spanien : 2. Theil (1848)
Entstehung
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318 Der König von Spanien.

meiſt bei Ulrich Fugger zu. Beide Feuerköpfe waren bald ſehr vertraut miteinander geworden und ſprachen ſich ohne Zwang und Rückhalt über die Zeitangelegenheiten ge⸗ geneinander aus. Sie waren natürlich nicht immer einer⸗ lei Meinung und kamen deshalb auch in Streit miteinan⸗ der. Nichtsdeſtoweniger lernten ſie einander immer mehr ſchätzen und lieben.

Nicht ganz eine volle Woche, nachdem Ulrich den Rit⸗ terſchlag erhalten hatte, langte eines Abends ein eigen⸗ thümlicher Zug in einigen mit Menſchen dicht beladenen Wagen, einem Haufen Reiter und einer nicht unbeträcht⸗ lichen Anzahl rüſtiger Fußgänger beſtehend, in Augsburg an. Es war die Zunft der deutſchen Meiſterſänger aus Nürnberg, welche in die Schweſterſtadt herüberkam, um in Gemeinſchaft mit der Augsburger Zunft dem Kaiſer eine Huldigung ungewöhnlicher Art darzubringen.

Marximilian, als Erzherzog ſchon der Dichtkunſt hul⸗ digend, wie ſeine Schweſter Margaretha, und deshalb von ſchmeichleriſchen Zeitgenoſſen zuweilen wohl deröſtrei⸗ chiſche Apollo genannt, hatte es ſchon vor Jahren unter nommen, die ſüßen Tage ſeiner Jugend und Liebe zur reizenden Maria von Burgund, derburgundiſchen Venus, ſeine Werbung um ſie, ſeine Brautfahrt in die Nieder⸗ lande und die dabei erlebten Abenteuer nebſt vielen an⸗ dern, die ſein Muth und ſeine Kühnheit herbeigeführt und glücklich beſtanden, in einem größern Gedicht zu beſingen. Es war für ihn ein hoher Genuß, die Erin⸗

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