314 Der König von Spanien.
Euer Kaiſer darf es mit Stolz ſagen, daß er von heute an zu Euern Freunden gehört; er ſtellt ſich zu den Er⸗ ſten derſelben.“
„Wenn ich irgend ein Verdienſt hätte, wie Ew. Maje⸗ ſtät hohe Gnade mir zuſpricht,“ verſetzte der beſcheidene Dichter mit feſter männlicher Stimme,„es würde doch durch dieſe Gnade erſt Werth in meinen Augen erhalten. Ich dachte ſtets, es ſei jedes deutſchen Mannes, der die Wahrheit erkannt hat und ſein Vaterland ernſtlich liebt, heiligſte Pflicht, für ſeinen Kaiſer und für die Wahrheit jeden Augenblick bereit zu ſein, freudig Gut und Blut zu opfern.“
„Ihr habt Recht, Junker. Aber wie Wenige erken⸗ nen dieſe Pflicht, und wie Wenige von denen, die ſie er— kannt, erfüllen ſie! Darum iſt es des Kaiſers Pflicht, die zu belohnen, die ſie erfüllen, und ſie zu ehren vor dem Volke. Vor Allen ſoll der Fürſt den Dichter ehren und hochſtellen, der ſeine begeiſterte Liebe für das Vaterland in ſchönen klangvollen Worten ausſpricht, der als des Volkes Herz und Mund die Menge mit großen patrioti⸗ ſchen Gefühlen und Gedanken erfüllt, und dieſen dann wieder Worte gibt, die da werth ſind, daß das alternde Geſchlecht ſie dem jüngern immer zuruft, damit ſie un⸗ ſterblich im Volke fortleben. Ein Regent, der die Dich⸗ ter ſeines Volkes misachtet, verdient, daß er von dieſem Volke nicht geliebt, daß er von der Nachwelt vergeſſen werde. Ihr ſeht, Junker,“ fügte er lächelnd hinzu,„daß


