294 Der König von Spanien.
botzner Meſſe, welche jährlich viermal gehalten wurde,
hatte der Stadt zahlreichen Beſuch aus den volksreichen
Thälern nah und fern zugeführt, und die Nachricht, daß die päpſtlichen und erzbiſchöflichen Ablaßcommiſſaire die Stadt heimſuchen würden, den Volksandrang noch um ein Bedeutendes vermehrt. Es ging laut zu in den Straßen, auf den Plätzen, in den Herbergen, und die ſo verſchiedenartigen Laute der deutſchen und italieniſchen Sprache miſchten ſich in dem von Glockengeläut, Böller⸗ ſchüſſen, Trompeten- und Pfeifengetön in Anſpruch ge⸗ nommenem Ohre. Der Reiter hatte große Mühe, ſein Pferd in einer Herberge unter zu bringen; Alles war überfüllt. Und kaum hatte er Zeit gefunden, einen ſpär⸗ lichen Imbiß zu ſich zu nehmen, als er von dem Rufe „Sie kommen!“ wieder auf die Straße gelockt und von der Menge fortgeſchoben wurde. Alles drängte dem Thore zu, durch welches der Weg nach Inſpruck führte. Ein unabſehbarer Menſchenzug bewegte ſich langſam und feier⸗
ſch unter dem Geläute aller Glocken und dem Krachen
zahlreicher Böller der Stadt zu. Das herrlichſte Som⸗ merwetter begünſtigte die Feſtlichkeit, und alles Volk hatte ſich Hüte und Gugeln mit grünem Laube geſchmückt. Der Magiſtrat, die Geiſtlichkeit der Stadt, die Kapläne und Diakonen des Biſchofs, die Schulen und die Zünfte wa⸗ ren dem Gnadenprediger, wie gebräuchlich, entgegengezo⸗ gen, um ihn mit ſeinen Untercommiſſairen und ſeinem übrigen Gefolge feierlich einzuholen. Den Zug in die
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