Der König von Spanien. 295
Stadt eröffnete ein Dominikaner Laienbruder, der ein großes rothes Kreuz trug, an welchem auf einem Stück Scharlach das päpſtliche Wappen in Gold geſtickt hing; ein paar Chorknaben trugen den großen vergoldeten Schlüſ⸗ ſel und das Schwert St. Peters auf rothen Kiſſen. Nun begann der lange Zug der ſingenden Schulkinder mit ihren Lehrern, die biſchöfliche und ſtädtiſche Kleriſei im pracht⸗ vollſten Ornat, umgeben von Mönchen und Chorknaben, welche die Kirchenfahnen und brennende hohe Kerzen tru⸗ gen, folgten zunächſt. Nun kamen die Männer des Heils und ihr Gepäck auf einer großen Anzahl von Pferden, Maulthieren und Edeln; voran der Dominikaner-Ablaß⸗ prediger mit dem hocherhobenen Allerheiligſten in der Hand (die päpſtliche Ablaßconceſſion wurde ihm von einem Mön⸗ che auf einem rothen Sammtkiſſen vorgetragen) zwiſchen zwei Miniſtranten mit großen Weihkeſſeln, welche das zu beiden Seiten niederknieende Volk beſprengten, Alle in reichen Meßgewändern; dann auf einem prächtig geputz⸗ ten Maulthier der nußbraune Ablaßkaſten, die Geldkiſte, beſtimmt, die Gnade Gottes allen Menſchen mitzutheilen, und dafür ihr Geld in ſich aufzunehmen. Sie war mit Kränzen und Bändern geziert, ein ſilbernes Krucifir war auf ihr befeſtigt, und vor demſelben brannten drei Kerzen, deren mittlere etwas größer war, als die der beiden an⸗ dern, ein Symbol der heiligen Dreifaltigkeit. Zu beiden Seiten gingen Mönche, welche die neue Bundeslade an Laubgewinden hielten; Andere trugen Kirchenfahnen mit


