Der König von Spanien. 293
finſterte ſich auffallend.„Kinder,“ wandte er ſich dann wieder freundlicher zu den Mädchen,„Ihr wollt Euch doch keinen Ablaß kaufen? Ihr habt ja noch niemals eine Sünde begangen?“
Die Mädchen lachten, und die Sprecherin meinte, man könne ſich ja auch für künftige Fälle verſehen, und ihr Pfarrer habe geſagt, wer päpſtlichen Ablaß kaufe, werde wieder in den Stand der Unſchuld eingeſetzt und reiner als durch die Taufe.
„Ihr thätet beſſer, Euer Geld den Meßkrämern für Bänder und bunte Lappen hinzugeben, womit Ihr Euch ſchmücken könnt,“ ſagte der Reiter halb ernſt, halb ſcherzend.
„Ihr ſeid wohl ein Ketzer, junger Herr?“ fragte das Mädchen naiv und kichernd, und Alle lachten.
„Vielleicht haſt du recht. Doch ſiehſt du an mir, daß der Teufel nicht ſo ſchlimm iſt, als ihn die Pfaffen ma⸗ len und mit den Ketzern fein ſäuberlich verfährt.“
Die Mädchen gingen auf den Scherz ein und ſetzten das Geſpräch fort, das der Reiter mit ſichtlichem Wohl⸗ gefallen zu unterhalten ſchien. Er fragte ſie über dies und das, und ſie plauderten mit natürlicher Fröhlichkeit. So gelangten ſie unter dem Geläute der Glocken und dem maſſenweis von allen Seiten zuſtrömenden Landvolk in die freundliche Bergſtadt. Das Gedränge auf den Stra⸗ ßen war ſo groß, daß der Reiter nur langſam vorwärts kam. Die in ganz Tirol und der Lombardei berühmte


