Der König von Spanien. 287
zuſammen kommen. Die einſamen Thäler und Berge mit den abgelegenen Sennhütten gaben dazu die ſchönſte Ge⸗ legenheit. Zur Ausführung dieſes Plans mußte ſie ſich aber natürlich erſt mit dem Markgrafen durch eine Mit⸗ telsperſon verſtändigen, und hierzu war freilich Nie⸗ mand geeigneter, als ihre von ihr abhängige Geſpielin, die ja in der That und Wahrheit nur ihre Dienerin war, obgleich ſie freilich den Namen einer ſolchen nicht führte, Martha Bry. Martha war von Suſannen und deren Mutter ſchon zu ähnlichen Verrichtungen gebraucht wor⸗ den und hatte ſich Beider Zufriedenheit dabei erworben; ſie hatte ſich ſchon als gewandte Zwiſchenhändlerin be⸗ währt, und Suſanna nahm deshalb keinen Anſtand, die gefällige Freundin in ihr Herzensgeheimniß einzuweihen. Das geſchickte Mädchen wurde beauftragt, den Prinzen unter vier Augen auszuhorchen, ihm nöthige Winke zu geben, ſeine Vertraute zu ſpielen, ihm Vorſchläge behufs einer heimlichen Zuſammenkunft mit Suſanna zu machen, und endlich den ganzen Plan mit ihm abzureden. Su⸗ ſanna hatte aber im übergroßen Eifer ihre Angelegen⸗ heit zu betreiben, zwei ſehr wichtige Punkte überſehen, erſtens, daß Martha mindeſtens eben ſo ſchön, ja in mancher Hinſicht noch reizender und weit ſchlauer war als ſie ſelbſt; ſodann hatte ſie vom Markgrafen auch nicht die mindeſte Andeutung erhalten, daß er ernſtliche Abſichten auf ſie habe. Und wie wenig kannte ſie den hochſtreben⸗ den Sinn dieſer Martha! Wie wenig ahnete ſie, daß


