Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Karl von Spanien : Roman in drei Theilen : Der König von Spanien : 2. Theil (1848)
Entstehung
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Der König von Spanien. 285

licher Kopf ſtellte allerhand Betrachtungen und Berech⸗ nungen an, die ſich freilich mit wahrer Liebe nicht ver⸗ tragen. Aber Suſanna war auch keiner wahren Liebe

fähig. Ihre Mutter hatte ihr ſeit ihrer Entwickelung zur

Jungfrau täglich vorgeredet, ſie beſitze alle Eigenſchaften, um die vollgültigſten Anſprüche an einen mit einer Gra⸗ fenkrone gezierten Gatten erheben zu können, und je ver⸗ ſtändiger ſie geworden, deſto öfter haben ihr Spiegel und ſie ſelbſt der Mutter vollkommen Recht geben müſſen. Mehre Verſuche, ſich in den Beſitz eines ſo koſtbaren Ehewirths zu ſetzen, ſind geſcheitert, und nun tritt ihr unverhofft in dieſem Tiroler Thale ein anmuthiger junger Mann entgegen, der die kühnſten Wünſche und Gelüſte ihres Herzens und ihres Kopfes übertrifft: ein Markgraf! Warum hätte ihr der Gedanke als abenteuerlich erſcheinen ſollen, daß ſie würdig ſei, Markgräfin von Brandenburg zu werden? War ſie nicht die ſchönſte Tochter des reich⸗ ſten Patricierhauſes im ganzen deutſchen Reiche? Waren die Fugger vom Kaiſer nicht in den Erbadel des Reichs erhoben? Sie beſaß den Reichthum und die Schönheit einer Prinzeſſin, wie wenig Mühe koſtete es ihrem Oheim Jakob, ihr vom Kaiſer für eine Geldſumme auch den Rang einer Fürſtin zu verſchaffen und ſie dem Markgra⸗ fen ſtandesgleich zu machen? War es ihr doch hinlänglich bekannt, wie gut dieſer Ohm beim Kaiſer ſtand, und daß dieſer Letztere ihm ſchwerlich irgend eine erfüllbare Bitte ab⸗ ſchlagen würde, zumal wenn der ſtets geldbedürftige Kaiſer