Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Karl von Spanien : Roman in drei Theilen : Der König von Spanien : 2. Theil (1848)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Der König von Spanien. 281

lächelnd.„Und weder Ihr noch er hat davon eine Ver⸗ antwortlichkeit. Jedermann in der Chriſtenheit erkennt das Recht des Papſtes an, Ablaß zn verkaufen. Mag der Papſt dieſe Gelder verwenden, wozu er will, was geht es uns an? Der Papſt kommt dem gemeinen Manne, deſſen größtes geiſtiges Bedürfniß es iſt, ſich ſeiner Sün⸗ denſchuld zu entledigen, mit der göttlichen Gnade und Vergebung entgegen. Es iſt nicht unbillig, daß der alſo Entſündigte für ſolche geiſtige Vermittlung ein leibliches Opfer bringe. Die Künſte, die Wiſſenſchaften müſſen leibliche und nicht knappe Unterſtützung haben, ſollen ſie gedeihen; das neue Licht des Geiſtes bedarf des Lebensöls. Woher ſoll es genommen werden, als aus dem Volke? Ihr räumt ſelbſt ein, was auch uns als Wahrheit feſt⸗ ſteht. Das Volk kann niemals in der Erkenntniß ein Ganzes ſein, es wird ewig geſchieden bleiben in den großen dummen Haufen, der da leiblich arbeitet und Geld zahlt, um dafür Ablaß zu erhalten, und in das kleine verſtän⸗ dige Häuflein, das da geiſtig arbeitet und jenes Geld zu ſeinem Unterhalte braucht. So muß das Ganze ſich ver⸗ halten, und der Papſt iſt der Vermittler zwiſchen beiden Parteien; er nimmt von dem großen Haufen und theilt dem kleinen zu. Nicht anders ſieht mein Bruder dieſe Dinge an. Ihm ſind die Urtheile über den Ablaß nicht unbekannt; ja er müßte nicht der ſein, welcher er doch wirklich iſt, wenn er nicht die Anſichten und Meinungen der gelehrten und aufgeklärten Männer unſerer Zeit über