Der König von Spanien. 13
„Der König wird nicht allein am Leibe, er wird auch am Geiſte täglich ſchwächer und hinfälliger,“ entgegnete Don Hernandez,„und ſo trefflich mein geheimes Zureden und das unſerer gemeinſchaftlichen Freunde, dem jungen Don Fernando die ſpaniſchen Kronen und wenigſtens die von Aragonien, Neapel und Navarra zu hinterlaſſen, bei ihm gefruchtet hatte, ſo haben ihn doch die eaſtiliſchen Granden wieder auf andere Gedanken gebracht, und es iſt kaum Hoffnung vorhanden, daß Don Fernando auch nur König von Neapel werde. Der kranke König iſt wie ein ſchwankes Rohr geworden, und ſeit ſich unſere Gegenpar⸗ tei ſeiner bemächtigt, bin ich gleichſam bei ihm in Un⸗ gnade gefallen. Dieſe Niederländer ſind ſtark in Spa⸗ nien; ſie haben nicht nur mit den vornehmſten Caſtiliern gemeinſame Sache gemacht, ſie haben auch die Königin Germaine für ſich gewonnen, die, wie Ihr wißt, dem jungen Fernando nicht ganz ſo günſtig ſcheint, wie der König. Ich fürchte, dieſer unſer Plan ſcheitert.“
„So muß ein anderer gelingen!“ rief die Gräfin muthig.„Nur nicht verzagt! Wir hatten zuviel auf des Königs Liebe zum Infanten Fernando und auf ſeine Ab⸗ neigung gegen Karl und die öſtreichiſche Partei, ſowie auf ſeine alte Zähigkeit gerechnet. Die Natur iſt an ihm zur Verrätherin geworden. Sein thörichter Eifer, ſich ſelbſt noch einen Kronerben zu erzielen und die verkehrten Mit⸗ tel, dieſen Eifer zu unterſtützen, haben ihm die körper⸗ liche und geiſtige Kraft gebrochen. Aber die unſerige iſt


