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Der König von Spanien.
beſonderen Grund. Wenn die Erzherzogin auch nicht den Willen hatte, durch ihren Neffen das Land zu regieren, ſo kannte ſie ſeine kindiſche Charakterſchwäche doch zu gut, um nicht den Wunſch zu hegen, daß er zuweilen und in wichtigen Angelegenheiten von ihr ſich leiten laſſen möchte und nicht von dem ſelbſtſüchtigen Adel. Sie wußte ja, daß ſie ihn nur zum Guten lenken würde, aber ſie war eben ſo überzeugt, daß die Partei, die ſich ſeiner bemäch⸗ tigt, ihn nicht immer zum Guten lenke, und ihr Herz blutete über die Zurückſetzungen, die ſie erfuhr. Auch
war wohl einige weibliche Eitelkeit, die ſich verletzt fühlte, 2
dabei im Spiele. Und doch hegte ſie für ihr Geburts⸗ land und ihre Heimat eine ſchwärmeriſche Liebe, und eben ſo liebte ſie den unerfahrenen, leidenſchaftlichen Karl, und
ſie ſah mit ſtillem Schmerz, daß, trotz ihrer ſorgſamen Erziehung, er dieſelbe zum Verderben führende Straße
einſchlug, welche ſein Vater gewandelt war. Da bot ſich ihrem Kummer die Gräfin Cardona als trefflichſtes Werk⸗ zeug und als Vermittlerin ihrer wohlgemeinten Pläne dar. Die Gräfin hatte den Erzherzog wirklich eine kurze Zeit im Reiten unterrichtet und bei dieſer Gelegenheit ſo viel Einfluß auf ihn gewonnen, daß er ihre Geſellſchaft nicht lange entbehren konnte. Doch der Zauber, der von die⸗ ſer reizenden, jungen Dame ausging, hatte nicht allein
den funßzehnjährigen knabenhaften Karl gefeſſelt; es war
ihm faſt kein Mann am Brüſſeler Hofe entgangen, und es ſchien, als ſei der Oberhofmeiſter von Chievres, ein


