Der König von Spanien. 5
men des„fröhlichen Gretchens“ beilegten. Sie lieferte den Beweis, daß eine urſprünglich geſunde, von der ſtil⸗ len Glut der Poeſie durchwärmten Seele, wenn auch von grauſamen Schickſalsſchlägen zu Zeiten niedergebeugt, doch nie gebrochen werden kann. Der Vergnügungsquell der Poeſie, der in ihr ſprudelte, fluthete ihr ſtets die Schat⸗ ten aus dem Gemüthe, die der Schmerz hineingeworfen, und vom ſüßen Thau derſelben getränkt, richtete ſich der ſchöne Blumenkelch ihrer Seele immer wieder nach der Sonne der Freude empor.
Nach der Abreiſe des däniſchen Königspaares blieb ihr nur die älteſte der Infantinnen, die Prinzeſſin Eleo⸗ nore. Doch hatte der Stolz und das hochfahrende We⸗ ſen derſelben ihr die Liebe der Tante nicht in dem Grade erwerben können, wie ihre jüngern Schweſtern ſie be⸗ ſaßen, und dann hatte der Liebeshandel mit dem Pfalz⸗ grafen Friedrich, welcher entdeckt worden war und mit ihrem Stolze ſo wenig im Einklang ſtand, ihr die Un⸗ gnade der Tante, des Bruders und des Großvaters zu⸗ gezogen. Ein anderes weibliches Weſen hatte um dieſe Zeit die ganze Gunſt der Erzherzogin zu gewinnen ge⸗ wußt. Dies war die Gräfin Agnes von Cardona. Die Warnung, welche Jakob Fugger in Bezug auf ſie der Erzherzogin hatte zukommen laſſen, hatte nur dazu ge⸗ dient, ihr Gelegenheit zu geben, um die Fürſtin durch ihre einſchmeichelnden Talente für ſich zu gewinnen. Doch hatte Margaretha's der Gräfin geſchenkte Gunſt noch einen


