Der König von Spanien.
Karl weiter keine Verwandten hatte. Margaretha trieb in ihrer Zurückgezogenheit die ſchöne Kunſt der Poeſie und andre erheiternde Studien; auch fehlte es ihr nicht an fürſtlichen Beſuchen, und ihre Schönheit hatte ſich, trotz ihrer böſen Schickſale, ſo friſch und jugendlich erhalten (war ſie doch auch erſt fünfunddreißig Jahre alt), daß die
Huldigungen, welche unverehlichte Fürſten ihr darbrachten, wahrer und aufrichtiger gemeint waren, als die, welche ihren Nichten galten. Man behauptete, es ſei nur auf
ihren Willen angekommen, mit Chriſtiern, der nur einige Jahre jünger war, als ſie, den Thron von Dänemark zu beſteigen, ſtatt ihrer vierzehnjährigen Nichte Iſabella; aber
wenn ſie nicht auch ſo beſtimmt ihren Entſchluß ausge⸗
ſprochen hätte, ſich nicht wieder zu vermählen, ſo würde
ſie des däniſchen Königs Verhältniß zum ſchönen Täub⸗ 4 chen von Amſterdam abgehalten haben, ihm ihre Hand
zu geben. Sie hatte durch ihre dreimalige eheliche Ver⸗
bindung zu traurige Erfahrungen gemacht, um noch eine neue und wahrſcheinlich die traurigſte hinzuzufügen. Sie wollte ſich den heitern ſüßen Frieden, in welchem ſie lebte, durch nichts wieder ſtören laſſen, und ſo weh ihr die Trennung von ihren Nichten, die ſie als ihre eignen Töch⸗ ter zu betrachten gewohnt war, auch that, vorzüglich die von der holden und ſanften Maria, ſo erhielt ſie ſich doch jene reine Heiterkeit, welche edlen und ächt poetiſchen Na⸗ turen eigen iſt, daß ihr die Niederländer, die ſie faſt ſchwärmeriſch liebten und verehrten, immer noch den Na⸗


