Der Herzog von Burgund und Niederland. 275
Und die hochbegeiſterte Schwärmerin ſprang auf vom Lager.
„Wohin willſt du, mein Kind?“ fragte die ängſt⸗ liche Frau. k
„Kannſt du fragen, wohin? Giebt es auf der weiten Erde noch einen zweiten Platz, wohin ich gehen möchte und könnte? An ſein Bett wollen wir. Ich will den edeln Mann pflegen, ich will dort für ihn beten, daß er geſunde. Dorthin gehör' ich, und ich ſterbe vor Sehnſucht, wenn du mich nicht zu ihm führſt. Dorthin ruft mich der Engel des Herrn, damit das hohe Wunder ſeines drei⸗ malheiligen Namens offenbar werde an dem Ungläubigen.“
„Wir wiſſen nicht, wo ſeine Herberge iſt, und es iſt Nacht, mein Kind. Dein Vater iſt bei Hofe. Wir können ſie jetzt nicht erfragen. Auch biſt du ſelbſt krank und mußt erſt wieder geneſen.“
„Ich bin geſund und ſtark. Wir dürfen nicht zau⸗ dern; wir müſſen nach Rom pilgern, zum ewigen Gna⸗
denborn.“
„Warte nur bis morgen.— Auch hab' ich für dieſen Spätabend eine weiſe Frau beſtellt, die dein Gebreſte verſprechen wird. Du kennſt ſie, die alte Zigeunerin, die ſchon in Flandern uns zuweilen beſuchte und auch hier oft auf unſerm Schloſſe geweſen iſt und mit ihrer ge⸗ heimen Kunſt uns manchen guten Dienſt geleiſtet hat. Sie iſt mir heute in der Stadt begegnet, und ſie hat mir ihre Hülfe, um die ich ſie anſprach, zugeſagt. Sie
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