276 Der Herzog von Burgund und Niederland.
wird uns gewiß auch guten Rath geben; denn ſie weiß viel aus Erfahrung und geheimer Wiſſenſchaft. Auch kommt vielleicht morgen Martin zu uns und ſagt uns an, wo ſein neuer Herr herbergt.“
Mit ſolchen begütigenden und tröſtenden Worten be⸗ ruhigte die Mutter die ſchwärmeriſche Aufregung Marias. Während ſie noch ſprachen, meldete die Zofe die weiſe Frau und führte auf Befehl der Gräfin ein altes ge⸗ bücktes Mütterchen herein. Sie warf das Nebeltuch ab und begrüßte die Frauen. Es war Karracha, die Zi⸗ geuneraltmutter.
Die Alte ſetzte ſich an Marias Bett und ließ ſich die Hand der kranken Jungfrau reichen.
„Du leideſt Herzenspein, mein Kind,“ ſprach ſie und heftete ihre klugen Augen auf die Linien der Hand.„Ein hoher Herr iſt Euch in keuſcher Minneglut ergeben, aber ein großes Hinderniß liegt zwiſchen ihm und Euch.— Gebt mir eine Schale voll reinen Waſſers, damit ich Euch die Bruſt befeuchte und das Leid aus dem Herzen waſche.“
Die Gräfin gab ihr das Verlangte und erzählte dabei vom Ritter Süderland. Karracha fragte ſchlau und vor⸗ ſichtig. Mutter und Tochter berichteten eifrig, was die Alte zu wiſſen wünſchte Die Zigeunerin horchte immer geſpannter, doch äußerlich gleichgültig. Dann, als die Waſchung mit Zauberſegen vorüber war, nahm ſie Ma⸗ rias Hand wieder.
„Eine Krone ſchwebt über ſeinem Haupte,“ fuhr ſie


