Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Karl von Spanien : Roman in drei Theilen : Der Herzog von Burgund und Niederland : 1. Theil (1848)
Entstehung
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274 Der Herzog von Burgund und Niederland.

Seele, und ich kann nicht an ſeinem Bette beten, kann ihn nicht warten und pflegen. Wenn er ſtürbe und führe zur Hölle, trüge ich nicht die Schuld? Würde nicht Gott einſt ſeine Seele von mir fordern? Iſt nicht die Mutter Gottes ſelbſt mir erſchienen und hat mir ſeine Rettung befohlen?

Mein Kind, wir wollen uns dem hochwürdigen Bi⸗ ſchof von Wien anvertrauen. Er wird dich abſolviren. Oder haſt du zu einem andern Prieſter Vertrauen? Die vornehmſten geiſtlichen Fürſten mit ihren Diaconen ſind hier verſammelt. Wier wollen reiche Opfer auf den Altar der heiligen Mutter Kirche niederlegen. Wir wollen dir Ablaß erkaufen. Und genügt dir das nicht, und meinſt du, daß St. Peters Nachfolger, das Oberhaupt der Kirche, allein dir den rechten Frieden wieder gewähren könnte, ſo wollen wir nach Rom wallfahrten und eine Meſſe ſtiften in der St. Peterskirche.

Ja Mutter, nach Rom wollen wir pilgern! rief Maria, von dem Gedanken ergriffen, in fieberhaft freu⸗ diger Bewegung. Aber nicht ohne den armen Ritter. Wir müſſen ihn bereden, daß er uns begleite. Dort wollen wir ihn in den Tempel der Chriſtenheit führen, zu dem alle gläubigen Völker des Abendlandes wallen, und am Hauptaltare wollen wir zu ſeinen Seiten knien, und den Hochgebenedeiten um ſeine Erlöſung anflehen. Und gieb Acht, Mutter! Es wird ein Wunder geſchehen, daß er an Chriſtum glaube. Komm, Mutter, komm!