Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Karl von Spanien : Roman in drei Theilen : Der Herzog von Burgund und Niederland : 1. Theil (1848)
Entstehung
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Der Herzog von Burgund und Niederland. 273

ſpanung ihrer Seelenkräfte hatte ſie nicht dazu kommen laſſen, über ſich ſelbſt nachzudenken und ihren ſchmerzli chen Gefühlen Raum zu geben. Mitten im Feſtgewühle erloſch aber die Abſpannung, und ſie brach zuſammen, wie eine vom Sturm geknickte Blume. Ihre Mutter wurde von unſäglicher Angſt erfaßt, daß ſie auch dieſes letzte und geliebteſte Kind verlieren möchte; ſie ſaß ſtill wei⸗ nend an Marias Lager. Und das blutende Herz des Kindes erſchloß ſich dem blutenden Herzen der Mutter, und dieſe wurde die Freundin der Tochter. Maria ver ſchwieg ihr nichts; ſie entdeckte ihr das überwältigende Geheimniß, welches der Ritter im Fieber in ihre Bruſt niedergelegt hatte, und welches zu tragen ſie zu ſchwach war; ſie enthüllte ihr den ungeheuern aus dieſem Ge⸗ heimniß hervorgewachſenen Schmerz. Die liebende, za⸗ gende Mutter begriff, daß die Gewalt der in der Seele ihres Kindes aufgeglühten Liebe im Kampfe mit dieſem von außen hereingeſtürzten Rieſenſchmerze das ſchwache Gefäß zertrümmern müſſe. Aber aus der erhaltenen Mit⸗ theilung ſchöpfte ſie Hoffnung. Ach was ergreift nicht ein Mutterherz zur Rettung eines Kindes!

Verzage nicht, mein Kind! tröſtete ſie.Du wirſt die Gattin des Ritters werden, und es wird dir gelin⸗ gen, ſeine Seele zu retten und dem Himmel zuzuführen. Ich ſelbſt werde den Kaiſer dafür zu gewinnen wiſſen.

O Mutter! Mutter! Er iſt krank an Leib und

Ein deutſcher Leinweber. IV. 18