Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Karl von Spanien : Roman in drei Theilen : Der Herzog von Burgund und Niederland : 1. Theil (1848)
Entstehung
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Der Herzog von Burgund und Niederland. 11

ſamen Zuhörerin liebäugelnd an ſeinen Zügen hingen; Ihr wißt, daß die beiden Könige von Frankreich und Spanien ſich vereinigt hatten, das Königreich Neapel brü⸗ derlich unter ſich theilen.

Ja, ja! Sie jagten den König von Neapel fort und wurden dann ſelbſt uneins. Es gab Krieg, wie allemal, wenn die großen Herren über einer Beute uneins werden; die Spanier ſiegten, der König Ferdinand behielt ganz Neapel für ſich.

Ganz recht. Dann wurden Sie wieder eins und abermals die beſten Freunde. Der König Ferdinand hei⸗ rathete eine Nichte des Königs Ludwig und ließ dieſen im Beſitz des eroberten Herzogthums Mailand, wozu Ludwig gerade ſo viel Recht hatte wie Ferdinand zu Neapel, und wie Ihr und ich zum deutſchen Reiche. Aber der franzö⸗ ſiſche König konnte es trotz aller Freundſchaft mit dem ſpaniſchen nicht vergeſſen, daß ihm die Hälfte von Nea⸗ pel, die er ſchon in der Hand gehabt, wieder entgangen war, und er ſah ſich im übrigen Ralien um, ob er nicht eine gute Gelegenheit fände, ſich anderweit zu entſchädi⸗ gen. Der ungeheure Reichthum Venedigs und vorzüglich der große Ländereibeſitz dieſes Freiſtaats auf dem Feſtlande Italiens war ihm ſchon lange ein Dorn im Auge gewe⸗ ſen. Er ärgerte ſich, daß ſolche Pfefferſäcke, wie er die venetianiſchen Kaufleute nannte, größern Prunk und Auf⸗ wand machten, als er, der mächtige König des reichen Frankreichs vermochte. Es gelüſtete ihm alſo, den wohl⸗