Der Herzog von Burgund und Niederland. 9
lauf und den Herrenhändeln zu verkehren. Ihr wißt, er macht nicht gern Worte, und was ihm in die Quere läuft, weiſt er grob ab. Aber ich habe ſo gut wie er meinen eignen Kopf und laſſe mir es nicht nehmen, das für Recht auszugeben, was ich für Recht halte. Auch gibt er ſelbſt zu, daß die vornehmen Meßpfaffen, die Kloſteräbte, wie der zu Kempten, die kaiſerlichen Amtleute und die adeli⸗ gen Herren nicht recht am Bauer thun; doch ſagt er ſtets, der Kaiſer werde ihnen ſchon helfen. Ich glaub' aber nicht an des Kaiſers Hülfe.— Doch möchte ich auch für mein Leben gern wiſſen, wo die Trauben hangen, und mir das ſchwache Gedächtniß gern anfriſchen laſſen. Seht, da kommt ſchon die Pathe mit einem guten Anfriſchungsmittel. Thut mir Beſcheid, wackerer Junker!“
Das züchtige Mägdlein reichte dem Junker hocherrö⸗ thend einen Becher, deſſen Rand dieſer der Sitte gemäß nur mit den Lippen berührte, während ſeine Augen mit einem ſchwärmeriſchen Ausdrucke von Wohlgefallen auf der ſchlanken, friſchen Geſtalt der blühenden, jungen Si⸗ bylle ruheten, um ihn dann der alten Sibylle hinzurei⸗ chen. Die kräftige Frau ſprach:„Zu Euerm fröhlichen Willkommen!“ und leerte das ſilberne Gefäß mit einem Juge, winkte der Pathe, welche es ſogleich wieder aus dem Kruge füllte, und reichte es dem Junker dar, welcher es mit den Worten ergriff und austrank:„Zu Eurer Geſund⸗ heit, Frau!“
„Ihr ſeid mir der rechte Mann, den ich brauche und


