Der Herzog von Burgund und Niederland. 8
„Eure Pathe hat mich ſchneller erkannt, als Ihr, Frau Sibylle. Grüß' dich Gott, Sibyllchen! Warum liefſt du draußen fort vor mir? Ich dachte mir's, daß du's gewe⸗ ſen ſeieſt. Biſt du emporgewachſen! Schäm' ich mich doch, dich noch du zu nennen. Gib mir deine Hand zum Will⸗ kommen!“
„So helft mir doch aus dem Traume!“ ließ ſich die Stimme der Hausfrau vernehmen, an fettem Tone mit der ihres Schooßhundes harmonirend.„Ich kenn' den Junker wol, aber ſein Name fällt mir nicht gleich ein. Ihr wißt ja, was für ein ſchlechtes, kurzes Gedächtniß ich habe, und wie ich immer die Namen der Leute vergeſſe.“
„Ei, wißt Ihr auch den Junker Marr von Büben⸗ hoven nicht mehr zu nennen, Frau Gotte“““), fragte die junge Sibylle lachend.
„Ach, alle vierzehn heiligen Nothhelfer ſollen mir bei⸗ ſtehen!“ zeterte die dicke Frau und warf den Mops vom Schvoße, um den Junker würdig zu bewillkommnen.„Was mir da mein ſchlechtes Gedächtniß wieder für einen Streich ſpielt! Gott ſegne Euren Eingang, liebwerther Junker!— Freilich, freilich, Ihr ſeid ein Mann geworden, und was für ein ſtattlicher Mann! Und den ganzen Bart habt Ihr Euch wachſen laſſen, wie die heiligen Apoſtel. Das iſt die neue Art, die die Niederländer aufgebracht haben, wie
*) Gotte, ſchwäbiſch, Bezeichnung der weiblichen Perſon, die ein Kind aus der Taufe hob, von dieſem Kinde(dem Pa⸗
Götti, männlich. 1


