Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Karl von Spanien : Roman in drei Theilen : Der Herzog von Burgund und Niederland : 1. Theil (1848)
Entstehung
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2 Der Herzog von Burgund und Niederland.

ten. Mit einem verwunderten, doch nicht unfreundlichen Blicke betrachtete Frau Sibylle den ihr unbekannten Frem⸗ den, der mit ſo deutlichen Zeichen der Freude, wie ein alter Bekannter, auf ſie zueilte, beide Hände nach den ihrigen ausſtreckend, und der träge Mops erhob das Haupt und knurrte; denn bis zum Bellen brachte es ſeine fette Stimme nicht. Der Eingetretene errieth den fragenden Blick der wohlgenährten Frau und ſagte lachend:Ich

dachte mir es wohl, daß ich Euch allein hier finden würde,

Frau Sibylle, und daß Ihr mich nicht mehr kennen wür⸗ det. Es ſind freilich fünf volle Jahre, daß ich von Euch ſchied, und ich mag mich wol in dieſer Zeit etwas ver⸗ ändert haben. Aber ſeht mich nur recht an; vielleicht kommen Euch meine Züge doch wieder ins Gedächtniß.

In dieſem Augenblicke wurde die hintere Thür des Gaden, welche in die Küche führte, aufgethan, und jene blühende Jungfrau trat ſittſam, mit dem weißen Teller⸗ tuch auf dem Arme und mit zinnernem Tiſchgeräth in den Händen, herein, augenſcheinlich, um den Tiſch zum Mit⸗ tagsmahle zuzubereiten. Sie war, wie die Hauswirthin, in die einfache linnene Schaube gekleidet, und nur das hellgrüne Schürzenband gab Kunde vom fröhlichen, hoff⸗ nungsreichen Jugendſinne. Erröthend neigte ſie ſich vor dem jungen Manne und ſtand verwirrt, wie in den Bo⸗ den gewurzelt, das ſinnige blaue Auge geſenkt, das blü⸗ hende Antlitz wie mit Purpur überzogen. Der Fr eilte aber ſogleich auf ſie mit den fröhlichen Worten

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