Erstes Bapitel.
Vor Jakob Fugger's Haus auf dem Weinmarkte in Augs⸗ burg warf ſich ein ſtattlicher Reiter, der mit ſeinem Knechte haſtig herangeſprengt war, vom Pferde und ſtürmte in das Haus. Es war um die Mittagszeit eines ſchönen Frühſommertags zu Ende des Brachmonats im Jahre 1513. Ein ſchlankes, blühendes Mägdlein trat dem jungen Manne raſch entgegen, neugierig, zu ſehen, wer eben angekom⸗ men ſei. Kaum aber hatte ſie den Reiter erblickt, als ſie mit einem Laut der Ueberraſchung ſchnell wieder durch die Hausflur zurücklief und verſchwand. Der Reiter ſah ihr nicht minder überraſcht nach und ſagte dann:„Ein günſtiges Omen auf der Schwelle des Hauſes! Ich möchte darauf ſchwören, das war die kleine Sibylle. Aber iſt die groß und hübſch geworden!“
Einen Augenblick darauf ſtand der ſchöne und vor⸗ nehm gekleidete Mann im Gaden vor der im hohen Pol⸗ ſterſtuhle ſitzenden dicken Hausfrau, deren fleiſchige Hände auf einem wohlgepflegten Mops in ihrem Schooße ruhe⸗
Ein deuſcher Leinweber. IV. 1


