Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Königskrone : 3. Theil (1846)
Entstehung
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366 Die Königskrone.

von Burgund und Niederland königlich bewirthet und zum zärtlichen Minnewart gehabt hatte.

Gegen Abend ließ ſie Jakob in einer Sänfte in ſein Haus bringen, wo Frau Sibylle bereits gute Ein⸗ richtung für ſie getroffen hatte. Sie verbrachte die Nacht ſehr unruhig und am andern Morgen lag ſie ſchon im heftigen Fieber. Sie phantaſirte furchtbar und ſtritt ſich oft in ihren heißen Fieberträumen mit dem Pater Innocenz, den ſie nur in der Geſtalt des Teufels ſah. Dann hatte ſie es wieder mit Phi⸗ lipps Leiche, mit der wahnſinnigen Königin und mit der ſchwarzen Matty zu thun. Drei Wochen lang ſchwebte ſie zwiſchen Leben und Tod. Aber der Tod verſchmähte die arme Frau, er, der ſo gierig in jüngſter Zeit nach hohen, jugendlichen Häuptern gegriffen hatte. Sie genas.

Eines Tages machte ihr Jakob einen Beſuch. Sie ſah ihn lange und ſchweigend an. Endlich fragte ſie mit gepreßter Stimme:Wo iſt mein Vater?

Todt! verſetzte er kalt.Ihr habt ihm das Herz gebrochen, als Ihr ihn verlaſſen und fortge⸗ zogen ſeid, keinem Menſchen ſagend wohin.

Sie verhüllte das Haupt und ſchluchzte krampfhaft.

Wo ſeid Ihr denn geweſen? fragte Fugger ernſthaft.

Fragt nicht! Laßt mich ſchweigen! fuhr ſie auf.Ich bin abermals von Königen und Pfaffen