Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Königskrone : 3. Theil (1846)
Entstehung
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358 Die Königskrone.

tigſte Frau. War ich's denn nicht, der Euch eine jener ſchlimmen Trauerbotſchaften überbrachte, womit Euer edles Herz heimgeſucht worden iſt?

Beſſer Ihr, als ein Fremder. Auch von Ca⸗ ſtilien war der Junker Bübenhoven der Ueberbringer der ſchrecklichen Todesbotſchaft und durch den Mund ſeiner Mutter wurde mir die Kunde meines Verluſtes mitgetheilt. Dadurch wurde ſie wenigſtens nicht ver⸗ nichtend für mich. Ich habe es jetzt erſt recht em⸗ pfunden, welch einen Engel mir der Himmel in der Gräfin von Tyrol zugeſchickt hat. Und wem anders verdank' ich dies, als eben Euch, edler Mann?

So hat doch Gott Euer Herz dem Troſte geöffnet.

Ich habe mich in Demuth der Hand gebengt, die mich ſo hart geſchlagen. Alles, was mir einſt lieb und theuer war, hat nun ein unerbittlicher Tod dahin⸗ gerafft. Drei junge Männer, mit denen mich der Segen der Kirche nach einander verbunden, der einzige Bruder, die geliebteſte Freundin, die Geſpielinnen meiner Kindheit, alle, alle ſind ſie dem unerbittlichen Geſchick als Opfer gefallen, ſodaß ich mir in meinem ſiebenundzwanzigſten Lebensjahre oft wie eine Greiſin vorkomme, die Alle überlebt hat, die einſt mit ihr denſelben Weg gingen. Kaum kann ein Herz härter geprüft werden als das meinige. Aber ich habe den Schmerz überwunden; heute habe ich den letzten Kampf

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