Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Königskrone : 3. Theil (1846)
Entstehung
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350 Die Königskrone.

empor mit wild drohenden Geberden und Geſchrei: fort! fort! auf die erſchrockenen Frauen los und verjagte ſie aus dem Zimmer. Jetzt ſtellte ſich heraus, daß ihre Eiferſucht zum Wahnſinn geworden war; denn ſie zeigte ſich auf die Leiche ſchier noch eiferſüchtiger als ſie auf den lebenden Gatten geweſen war. Kein weibliches Weſen außer der ſchwarzen Matty durfte ihr nahen. Und ſo ſaß ſie wieder in ihrem gedanken⸗ loſen ſtarren Trübſinn und hielt ihre glanzloſen Augen auf das bleiche Todtengeſicht geheftet, gleichſam als erwarte ſie die Farbe und Bewegung des Lebens wieder in daſſelbe zurückkehren zu ſehen.

Als es Nacht geworden war, duldete ſie nicht mehr als ein Licht im Gemach, ein ſchwaches Lämpchen, das ſie ſelbſt anzündete und zu Häupten des Todten ſtellte. Nun nahm ſie wieder ihren Platz am Bette ein, unbe⸗ kümmert um die kommenden und gehenden Männer. Es war grauenhaft, ſie in der Dämmerung vor der Leiche ſitzen zu ſehen, deren weißes Antlitz mit den hellblon⸗ den Locken geſpenſterhaft leuchtete.

Es war ſchon ſpät, als Matty einen Mann herein⸗ führte, der ſich tief in den Mantel gehüllt hatte. Die blonden Locken fielen ihm über die Stirn. Er wankte und zitterte heftig, als er näher trat. Dann faltete er die Hände und kniete am Bette nieder, die Augen auf den Todten gerichtet. Ein Strahl der Lampe überdämmerte ſein Geſicht und der Blick der Königin