Die Königskrone.
Der Page war über eine Stunde allein bei ſeinem todtkranken Herrn. Als er wieder aus dem Zimmer trat, weinte er heftig. Der König beſchied einen Schreiber zu ſich und dictirte ihm mehrere Verfügungen. Gegen Abend überſiel ihn das Fieber mit furchtbarer Gewalt und ſtieg die Nacht über noch. Er phantaſirte fort und fort von Luiſen, mit der er ſich von ihrer Jugendliebe mit rührenden Worten unterhielt. Als der Tag anbrach, traten die Anzeichen des nahenden Todes ein und die Aerzte machten den Prieſtern Platz. Aber der Sterbende hatte bis ein Uhr Mittags zu kämpfen, wo er die Seele aushauchte.
Die Beſtürzung, der Schrecken im Schloſſe, die Verwirrung der Hofleute und Günſtlinge waren unbe⸗ ſchreiblich. Die Königin ſaß ſtarr an der Leiche, ſelbſt wie ein lebloſes Bild. Sie weinte nicht, ſie ſeufzte nicht, ſie regte ſich kaum; es war ein entſetzlicher An⸗ blick. Die verwöhnten Günſtlinge, die erſt zwei Mo⸗ nate die Süßigkeit des Herrſchens genoſſen hatten, fielen wie betäubt am Bette nieder„auf welchem der entſeelte achtundzwanzigjährige König lag. Einige weinten heftig, Andere konnten ihres dumpfen Schmerzes nicht Meiſter werden; Mamuel geberdete ſich wie un⸗ ſinnig. Es kamen und gingen immer andere Männer; die Königin nahm von keinem die mindeſte Kenntniß. Endlich traten auch einige Hofdamen herein und nahten weinend der Leiche. Da fuhr Inanna wie eine Furie


