348 diſchen Aerzte nahmen die Sache leicht. Am folgenden Tage wurde aber auch ein italieniſcher Arzt, Ludovico Marliano, einer der vorzüglichſten Heilkünſtler, als ihr Beiſtand gerufen; er drang auf Aderlaß, aber Philipp ſcheute ſich davor und die Flamänder hielten es nicht für nöthig. Das Fieber wurde ärger, der König redete irre. Die Königin wich vom erſten Augen⸗ blick der Krankheit nicht vom Lager des von ihr ſo heftig geliebten Gatten. Sie reichte ihm die Arzneien ſelbſt; ihr Ange fand keinen Schlaf, es bewachte mit der ängſtlichſten Spannung jeden ſeiner Züge.
Die Krankheit nahm mit jedem Tage einen beun⸗ ruhigendern Charakter an und wurde von den Aerzten als ein höchſt gefährliches, anſteckendes Fieber erkannt, das zu der Zeit in Caſtilien graſſirte; ſie ſchritten nun zu Aderlaß und andern herviſchen Mitteln, aber die begangenen Fehler waren nicht wieder gut zu machen. Am fünften Tage lief eine Depeſche aus den Nieder⸗ landen ein. Der König war um Mittag ruhiger und der Pfalzgraf überreichte ihm den Brief der Erzher⸗ zogin. Er erbrach und las ihn. Plötzlich ſeufzte er tief auf:„Großer Gott, Loniſe von Maine iſt todt! Anna von Fvir iſt todt! Fritz, auch ich muß ſterben! Erinnere dich der Prophezeiung der Zigeunerprinzeſſin. Jetzt verſteh' ich ſie ganz. Sie hält mir getreulich Wort. Ach und welch ein ſeltſames Geheimniß muß ich aus dieſem Briefe erfahren! Rufe mir den Bübenhoven.“
Die Königskrone.


