Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Königskrone : 3. Theil (1846)
Entstehung
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Die Königskrone.

hatte ihr kaum das letzte Wort davon geſagt, in der Hoffnung, endlich Haß und Abſcheu in ihrem Herzen gegen Philipp zu erregen, als die Unglückliche auch ſchon mit beflügelten Schritten nach den Gemächern ihres treuloſen Gemahls eilte. Es war zu Ende mit aller Beſonnenheit. Mehrere ſeiner Günſtlinge waren zugegen; ſie ſah nur ihn, den grauſamen, heißgeliebten Mann. Und mit dem Angſtgeſchrei:„Philipp, ach Philipp, verſtoße mich nicht!“ ſtürzte ſie vor ihm nieder, unſchlang ſeine Knie und vergrub ihr Antlitz in den Falten ſeines Mantels.„Vergönne mir nur, bei dir zu ſein und dich zu lieben,“ jammerte ſie wieder,„ich verlange ja nichts weiter. Ich weiß, daß du die Marquiſe von Tuy liebſt und von ihr erhört wirſt, aber ich will es zu ertragen ſuchen. Nur ver⸗ banne mich nicht von dir! Nein, nein, du kannſt, du darfſt es nicht; denn ich hege wieder Mutterhoffnungen. Das Leben deines ſechſten Kindes bildet ſich unter meinem Herzen aus und ſchon ſeinetwegen darfſt du ſeine arme Mutter nicht von dir entfernen und ins Elend ſtoßen.“

So flehte hängeringend die Eigenthümerin der reich⸗ ſten und mächtigſten Krone Europas, die Beſitzerin der neuen Welt, die Königin von Caſtilien und Leon, daß Allen, die es hörten, das Herz bewegt und eine Thräne des Mitleids in's Auge gelockt wurde. Nur Philipp ſagte kalt zu ihr:„Steh' auf und entferne