Die Königskrone.
„Es iſt Ew. Majeſtät hoher Wunſch und Befehl geweſen,“ redete ihn der Adelantado an,„die ſterb⸗ lichen Ueberreſte meines Bruders zu ſehen.“
—„Da mir nicht vergönnt war, die Bekanntſchaft des lebenden großen Mannes zu machen, ſo will ich ſeine ehrwürdige Geſtalt wenigſtens im Tode ſehen und ihr meine Ehrfurcht bezeigen.“
Die Gruft der Kirche war bereits geöffnet und die Mönche ſchritten mit den Fackeln voran. Der König ſtützte ſich auf den Arm des Pfalzgrafen beim Hinabſteigen; er zitterte leiſe, indem ſie zwiſchen den Särgen hinwandelten. Sie langten vor einem großen, ſchönverzierten Sarge an. Der Prior ſprach ein kurzes Gebet, während deſſen die Mönche niederknieten und das Antlitz tief zur Erde neigten. Nun nahm der Erſtere den Wedel aus der Hand eines Mönchs, tauchte ihn in den Weihkeſſel, den ein Anderer trug, und be⸗ ſprengte, Gebete murmelnd, den Sarg. Auf ſeinen Wink hoben die Mönche den Deckel und hielten die Fackeln nahe an die Leiche. Der König trat mit ſeinen Günſtlingen heran. Da lag die große, ehrfurchtge⸗ bietende Geſtalt des Weltentveckers, das ſchöne Bild eines wahren Helden. Sein ſtarkes Haupt zierte ein Lorberkranz; ſeine edle Adlernaſe ſah gebietend aus. In den gefalteten Händen hielt er ein Erucifir. Zu ſeinen Füßen lag ein Bund eiſerner Ketten. In ſeine Züge war der Ausvruck eines ſchmerzlichen Lächelns
Ein deutſcher Leinweber. IMI. 22


