Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Königskrone : 3. Theil (1846)
Entstehung
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Die Königskrone. 331

ſieht und betrachtet, hat heute ſchon das Schloß be⸗ zogen, um ſtets in meiner Nähe zu ſein, obgleich ich meine Stunde erſt in acht bis zehn Wochen erwarte. Und dieſen brutalen Menſchen ſoll ich in den ſchweren Augenblicken um mich ſehen! Der Gedanke iſt mir un⸗ erträglich und empört mein Herz. Eine Königin und muß mir ſchamloſe Dinge anmuthen laſſen, die ſich das Weib eines Stallknechts nicht gefallen laſſen würde.“

—„In der That, es iſt unerhört. Aber zu wel⸗ chem Zwecke will Euch denn der Graf läſtig fallen?“

—„Begreift Ihr nicht: damit ich oder der König ihnen nicht etwa einen Knaben unterſchöbe, wenn ich 5 ein Mägdlein gebäre; als wenn es irgend ein Glück wäre, König von Ungarn zu ſein.“ 6

—„Fürwahr, jetzt wird mir Euere ſchlimme Lage erſt recht klar. Ihr genießt bei dieſen mächtigen un⸗ gariſchen Herren keines ſonderlichen Vertrauens und

ſeid wahrhaftig zu bedauern. Das thu' ich auch von ganzem Herzen; denn Euch zu helfen ſteht freilich nicht in meiner Macht.“

—„Ach wäre nur meine liebe Jugenfreundin Luiſe nicht auf dem Wege zu mir geſtorben!“ weinte die Königin;„dann hätte ich in dieſer Noth doch eine befreundete Seele um mich, die mit Hoheit und Würde die Anmaßung des Grafen von Zips zurückwieſe. Wie glücklich würde ich in ihrem Umgange ſein und ihr all' mein ſchlimmes Herzeleid klagen! Aber muß ich ſie