Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Königskrone : 3. Theil (1846)
Entstehung
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328 Die Königskrone.

ſagte ſie mit einem Anfluge von anmuthigem Lächeln, das an ihre beſſern Tage erinnerte,„daß Ihr Euer Verſprechen, mich vor Euerer Abreiſe aus Ungarn noch einmal zu beſuchen, nicht vergeſſen habt. In der That, man pflegt der Königin dieſes Landes wenig zu ver⸗ ſprechen und dieſes Wenige ſogar nicht zu halten, daß es mich faſt rührt, Euch bei mir zu ſehen.“

—„Königliche Hoheit, ich bin ein Deutſcher und halte die deutſche Treue hoch in Ehren. Ihr erſtes Erforderniß aber iſt, daß man hält, was man ver⸗ ſprochen hat.“

—„Ach, Deutſchland iſt ſchön!“ ſeufzte die junge Königin,„aber ſchöner noch iſt Frankreich, mein ge⸗ liebtes Frankreich. Glaubt mir, werther Herr, ich ſterbe noch vor Sehnſucht nach Frankreich.“

—„Es ſcheint Euch in Ungarn nicht ſonderlich zu gefallen, Madame,“ ſagte Fugger treuherzig und gut⸗ müthig, von Mitleid mit der traurigen Lage der jungen ſchönen Frau ergriffen, und der Ton der herzlichſten Theilnahme in ſeiner Stimme wirkte mächtig auf Anna's ſchwer belaſtetes Gemüth. Sie brach in Thränen aus.

—„O mein Gott!“ weinte ſie,„wie kann es mir in einem Lande gefallen, wo man mich ohne Scheu ſchmäht und geringer achtet, als das gemeinſte Weib! Ihr findet mich in großer Beſtürzung. Kaum kann ich Euch entdecken, welch eine Schmach mir heute ange⸗ droht worden iſt, und ich habe keigen Schirm, keinen

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