Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Königskrone : 3. Theil (1846)
Entstehung
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Die Königskrone. 325

eine Kapſel hervor, die er öffnete und dem Könige hinhielt.

—„Ah, das iſt ein böhmiſcher Saphir, ein präch⸗ tiger Rubin!“ rief Wladislav lebhafter als gewöhnlich. „Ja, ja, in unſerm Böhmerlande werden koſtbare Edelſteine gefunden, aber ſie kommen nicht in unſere königliche Schatzkammer, und in Augsburg wohnen die geſchickteſten Steinſchleifer und Goldſchmiede, aber ich beſitze wenig von ihren Meiſterwerken. Ein ſchöner Ring! Ich will Euch meinen königlichen Willen offen⸗ baren, Herr Fugger. Als Ihr vor acht Wochen hier waret, war ich eben in Waradein beim Biſchof als Gaſt, wie Ihr gehört haben werdet, und ich bin da⸗ durch um Euern Beſuch und das Geſchenk gekommen, welches ihr mir jedenfalls zugedacht hattet. Ich will den Ring dafür annehmen; Ihr mögt der Königin eine weniger werthvolle Gabe verehren, oder ſie mag dies⸗ mal leer ausgehen, wenn Ihr nichts Anderes bei Euch habt; ſie hat ja vor kurzem erſt die koſtbare Kette von Euch erhalten.“

—„Wenn es Ew. Hoheit ſo beliebt,“ verſetzte Fugger etwas ärgerlich, obgleich wenig erſtaunt, da ihm die Armuth des Königs nicht unbekannt war. Hatten ihm ſeine Verwandten in Kremnitz doch vor wenigen Wochen erſt erzählt, wie der Haushofmeiſter und Küchenmeiſter des Königs von Ungarn und Böh⸗ men gar oft den Unterhalt für die königliche Familie