Die Königskrone. 319
zarteſten Mitgefühl für ein liebendes Herz erſchloſſen, das nun nicht mehr ſchlug, aber deshalb ſeine Weh⸗ muth deſto ſtärker wach rief.
—„Nimm meinen Schwur, verklärte Seele!“ flüſterte er dann.„Ich will deinem Kinde ein treuer Vater und meine geliebte Katharina will ihm eine treue Mutter ſein. Sie hat mir gelobt und mir Grüße an dein Grab aufgegeben und die Fflicht ihr Gelöbniß hier dir zu wiederholen. Wir wollen ihn zu einem guten und braven Menſchen erziehen. Schlaf wohl in deiner Truhe, du edle Dulderin, und gib uns und unſerer Liebe deinen Segen!“
Ein gewaltiges Schluchzen in ſeiner Nähe zog ſeine Aufmerkſamkeit auf ſich. Er wendete ſich um und ſah nicht ohne Erſtaunen den poſſierlichen Reitknecht ſeines Ohms hinter ſich, der ebenfalls die Hände gefaltet hatte und wie ein Kind laut weinte und ſtöhnte. Auch ihn, den rauhen Knecht, hatte ein Seelenbedürfniß zu dem Grabe der fremden Frau geführt.„Recht ſo, Herrlein!“ ſchluchzte„Man muß die Todten ehren und ihnen die Pflicht Wfllen; denn ſie ſind bei Gott, wohin wir Alle zu kommen hoffen.“
Raimund ſchenkte Veit ſeit dieſem Angenblick eine Zuneigung, die faſt wie kindliche Liebe ausſah.
Nach ein paar Stunden zogen ſie wieder weiter, erreichten ohne Gefährde die beiden ungariſchen Schwe⸗ ſterſtädte zu beiden Seiten des prächtigen Donauſtroms


