Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Königskrone : 3. Theil (1846)
Entstehung
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Die Königskrone. 17

ten Jugendfreundin auszukunden und ihr einen Brief von mir zu übergeben. Mein Bruder hat mir ſeinen Plan heute Morgen mündlich eröffnet, von dem er mir geſchrieben und um deswillen er mich wieder in die Niederlande beſchieden hat. Ich ſoll das Land meiner Geburt als Statthalterin in ſeinem Namen regieren, während er Caſtilien beherrſcht. Da hab' ich es mir denn ſchön ausgedacht, daß Luiſe wieder bei mir ſein und leben ſoll, glücklich durch mich und mich beglückend, ſo viel mir eben noch vergönnt iſt, irdiſches Glück zu genießen. Ja, nur an ihrer Bruſt kann ich all' meinen Schmerz ausweinen und noch heitere Stunden verle⸗ ben. Wenn es Gott nicht anders gefällt, ſetzte ſie wieder mit einem ſchmerzlichen, reſignirenden Lächeln hinzu.

Er wird Euern ſchönen Wunſch erhören und mit der Erfüllung ſegnen! rief Bübenhoven.

Und zu dieſer Erfüllung ſo weit ſie eben in menſchlicher Kraft ſteht ſollt Ihr mir behülflich ſein. Ihr ſollt die vertriebene, flüchtige Freundin aufſuchen; Ihr ſollt ſie in meine Schweſterarme führen, ſollt ihr wieder eine Heimat geben und zwei Herzen wieder ver⸗ einigen, die ſich nie hätten trennen ſollen.

O, wie hoch beglückt Ihr mich ſelbſt durch dieſen ehrenvollen Auftrag, hohe Frau! Nichts auf der Welt konnte mir lieber ſein, als ihn auszuführen.

Ein deutſcher Leinweber. III. 2