Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Königskrone : 3. Theil (1846)
Entstehung
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Die Königskrone.

Ermeßt danach meinen Eifer, mit dem ich mich ſeiner Ausführung unterziehen werde.

Ich weiß, ich weiß und kenne Euer rechtſchaffe⸗ nes, mir ergebenes Herz. Und da ich auch weiß, was Euch lieb iſt, ſo hab' ich Euch ein kleines Geſchenk mit⸗ gebracht, das Ihr, ich hoffe, gern aus meiner Hand annehmt. Es ſind die wenigen Gedichte, die ich in Sa⸗ voyen niedergeſchrieben. Damit legte ſie einen kleinen, ſchmalen, mit Gold verzierten Lederband in ſeine Hand. Vom Gefühl überwältigt, ſtürzte er auf die Knie, em⸗ pfing ſo das Geſchenk, das ihm mehr werth war, als die Krone von Caſtilien, küßte bald das Buch, bald die Hand der gütigen Fürſtin, ſchluchzte und war nicht vermögend, auch nur ein einziges Wort zu ſagen.

Noch Eins! ſagte die milde Fürſtin dann.Ich habe Herrn Jakob Fugger ſeit meiner Abreiſe von hier nicht wieder geſehen und geſprochen. Könnt Ihr mir nicht melden, was aus unſerm wilden Pflegling, dem Sohne meiner Claire geworden iſt, den ich ſeiner Für⸗ ſorge anvertraute?

Ich habe Herrn Fugger fleißig nach ihm befragt, gnädigſte Frau. Einen Leinweber hat er nicht aus dem Buben zu machen vermocht; dazu iſt er zu unbändig geweſen. Um ihn zu zähmen, hat er ihn alſo erſt in ſein Silberbergwerk in meiner Heimat geſteckt. Aber auch hier hat er nicht gut gethan. Und ſo iſt der wilde Range nach Kremnitz in Ungarn gebracht worden,