Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Königskrone : 3. Theil (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ee

16 Die Königskrone.

die feierlich mächtigen und erſchütternden Töne des Requiem und ich erwachte vom Schalle der Zinken und Poſaunen, denn die Pfeifer und Spielleute des erzherzoglichen Hofes brachten mir eine Morgenmuſik.

Dieſer Traum ſcheint mir zu bedeuten, nahm der Page jetzt mit zitternder Stimme das Wort,daß Euere Freundin vom Könige Philipp zu den ihr ge⸗ bührenden Ehren und Würden emporgehoben werden wird. Vielleicht dürfen wir ſie nun bald als Sulta⸗ nin von Granada begrüßen.

Ein mächtiges, wehmüthiges Gefühl in meiner Bruſt wehrt mir, dieſer Eurer Deutung beizuſtimmen. Wir müſſen es Gott anheimſtellen, der mich gewürdigt hat, die Zukunft der Meinigen in ſolch wunderbaren Traumbildern und Ahnungen zu ſchauen. Aber der Traum hat die mächtigſte und gewaltigſte Sehnſucht nach Luiſen in mir wieder wach gerufen. Und ich habe Euch zu mir beſchieden, um Euch zu fragen, ob Ihr keine neuen Nachrichten von der geliebten Freundin habt?

Ich bedaure ſehr, Ew. Hoheit nichts melden zu können. Es iſt mir, ſeit unſerer Abreiſe von Spanien, nicht die mindeſte Nachricht über ihr ferneres Geſchick zugekommen.

Ihr geht mit dem Könige nun wieder nach Spa⸗

nien, Junker Bübenhoven. Ich bitt' Euch inſtändigſt, bietet Alles auf, um den Aufenthaltsort meiner gelieb⸗