Die Königskrone. 15
Bekleidung des Trauergerüſtes und es ſtand als ein hoher, über alle Beſchreibung prachtvoller Thron da; die Kerzenflammen waren zu Sternen geworden,
die aus einem dunkeln Nachthimmel herabglänzten.
Die ſpaniſchen Granden forderten Philipp auf, den Thron zu beſteigen. Schon war er mit dem reichen, goldgeſtickten Königspurpur angethan und die Krone Caſtiliens funkelte auf ſeinem Haupte. Er faßte die Hand ſeiner Gemahlin, um mit ihr den Thron zu be⸗ ſteigen, aber ſiehe! es war nicht die Infantin Donna Juanna, ſondern Luiſe von Maine, meine geliebte Luiſe, wallend in den überaus prächtigen Gewändern einer Sultanin von Granada, und an ihrem Turban leuchtete der Diamant Zoraidens, der unglücklichen Gattin Boabdil el Chiko's. Majeſtätiſch, recht wie eine Königin von Granada, ſtieg ſie mit Philipp, dem Könige, Hand in Hand die Stufen zum Throne hinauf. Aber je mehr ſie erſtiegen, deſto mehr wurden der Stufen; der Thron wuchs höher und höher, bis die Sterne ſeinen Himmel küßten, und das Königs⸗ paar ſtieg raſcher und raſcher. Zuletzt war mir's, als hätten ſie Flügel und ſtrebten damit empor; oben ſtanden Iſabella, die verſtorbene Königin von Caſtilien, und der Herzog Philibert von Savoyen, mein todter Gatte, und reichten Philipp und Luiſe die Hände und zogen ſie vollends zu dem ſternenleuchtenden Königs⸗ throne empor. In der Kathedrale erbrauſten wieder


