Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Königskrone : 3. Theil (1846)
Entstehung
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14 Die Königskrone.

ich Philipp beglückwünſchen wollte, war mir's, als ſtände ſtatt des blühenden Mannes ein bleicher Sche⸗ men vor mir.

Die Anſtrengung der Reiſe, der ſchnelle Wechſel des Wiederſehens, der düſtern und freudigen Feierlich⸗ keit, Euer eignes kummervolles Herz ſtammelte der Page.

Dem ſei, wie ihm wolle. Genug, ich verfügte mich bald zur Ruhe; denn ich fühlte mich ſehr ange⸗ griffen. Da träumte mir, ich befand mich wiederum in der Kirche, und das ganze Gepränge, das ich am Tage

erlebt, ging noch einmal, in ernſter, ja düſtrer Feier,

obgleich mit mancherlei wichtigen Abweichungen, an meinen Augen vorüber. Zuerſt bemerkte ich, daß ich mich nicht in der Kirche der h. Gudula in Brüſſel, ſon⸗ dern in der ſchönen Kirche des Franziskanerkloſters Santa Iſabella in der Alhambra zu Granada befand, in welcher die irdiſchen Ueberreſte der Königin Iſabella ihre Ruheſtätte erhalten haben. Das Trauergerüſt war prächtiger geſchmückt und man konnte es für einen Thron halten. Die Kerzen flammten höher; die unge⸗ heure Menſchenmenge lag vom ſtarren Schmerz wie an den Boden gefeſſelt und die Töne des Requiem wimmerten herzzerſchneidend durch die weiten Räume der ehemaligen Moſchee des Maurenpalaſtes. Sobald die Exequien beendigt waren und der Herold meinen Bruder zum König ausgerufen hatte, fiel die ſchwarze