Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Königskrone : 3. Theil (1846)
Entstehung
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12 Die Königskrone.

warmen Leben in ſein kaltes Schattenreich und mich troſtlos und verzweifelnd allein übrigzulaſſen.

Um Gott, gnädigſte Frau! rief Bübenhoven er⸗ ſchreckt,von welchen ſchwarzen Bildern laßt Ihr doch Euere lichte Seele beſchleichen und martern! Ich fleh' Euch an bei allen Heiligen; gebt Euch in Euerm ſchö⸗ nen Heimatlande wieder den alten heitern Gedanken und Gefühlen hin, die Euch in den Niederlanden den Namen desluſtigen Gretchens erworben haben. Verſcheucht dieſe entſetzlichen Ahnungen! Sie können und werden nicht in Erfüllung gehen.

Die Erzherzogin ſchüttelte ſchmerzlich lächelnd das ſchöne Haupt.Meine düſtern Ahnungen und Träume ſind noch alle in Erfüllung gegangen, eben weil ich keine düſtere Träumerin und Kopfhängerin bin, ver⸗ ſetzte ſie dann leiſe.Als ich Euch geſtern in dem mich betäubenden Gepränge erblickte, durchbebte mich ſogleich lebhaft die Erinnerung, daß Ihr es waret, dem ich meine Ahnung und meinen böſen Traum vor meiner Abreiſe nach Savoyen mittheilte. O dieſer gräßliche Traum, wie ſchrecklich iſt er in Erfüllung gegangen und wie hat ſich die Ahnung bewährt, die ſich an die verlorene koſtbare Perle, mein Namensbild und Ge⸗ ſchenk meines nun auch den Todten angehörigen Gat⸗ ten, kettete! Ich ſah ihn in jenem Traume, den jun⸗ gen, blühenden Fürſten, mich verlaſſen, die ich an ſei⸗ nem Arme in einem herrlichen Garten luſtwandelte,