Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Königskrone : 3. Theil (1846)
Entstehung
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Die Königskrone. 11

Junker von Bübenhoven, ſagte ſie ſanft,ich habe Euch bitten laſſen, mir einige Augenblicke zu ſchenken; denn mein Herz verlangt mit Euch zu reden

und nach dem neuen und ſchweren Verluſt, den der

Himmel über mich verhängt hat, kann ich der Stimme des Herzens weniger widerſtehen, als je. Demn je mehr die Zahl der mir lieben und theuern Menſchen zuſammenſchmilzt, deſtvo wärmer und inniger muß ich mich ja an Die ſchließen, die mir noch geblieben ſind.

Ganz Flandern und Brabant iſt voll Herzen, die Euch verehren, durchlauchtigſte Frau, und viele davon ſind freudig bereit, Leib und Leben, Gut und Blut für Euch zu geben, verſetzte der Page, indem er die Hand auf's Herz legte.

Ich erkenne ihre Liebe und fühle mich ihnen dank⸗ bar verpflichtet. Aber nicht mit Allen kann ſich meine Seele verſchwiſtern. Es iſt ein Unterſchied in der Liebe, wie in allen Gefühlen. Neben der warmen, herzlichen Menſchenliebe gibt es noch ein innigeres, heiligeres Gefühl, ein Zuſammenſchmelzen der Seelen, eine geiſtige Verwandtſchaft. Seht nun, Junker Bü⸗ benhoven, ich, ſonſt das heiterſte, unbefangenſte We⸗ ſen, kann jetzt die düſtere Ahnung nicht loswerden, daß der Tod, der ſich mir nun ſchon ſo furchtbar feind⸗ lich gezeigt, nicht aufhören werde, die Geliebten, an denen meine Seele hängt, hinwegzureißen aus dem